Freitag, 26. Februar 2016

Viva Patagonia

Liebe Blog Gemeinde,

seit gut 10 Wochen sind wir schon wieder in Südamerika unterwegs. Ein Drittel unserer Reisen haben wir in der Zeit schon hinter uns - das ging besonders bei Reise Nummer Zwei extrem schnell vorbei. Zumindest was unser Engagement bei Kondor-Tours angeht hieß es „Auf Wiedersehen!“ sagen an das schöne, wilde und weite Patagonien. 




Gerade sitzen wir in Santiago bei 33C° im Schatten und wünschen uns die gemäßigten Temperaturen im Süden zurück, den frischen Wind, der auch mal mit 80 - 100km ums Eck blasen kann und auch das kühle Nass, welches zeitweilig vom Himmel fällt. Hier im Norden brennt die Sonne unerträglich vom Himmel. 

Auf dem Weg von Nord nach Süd hatten wir noch patagonisches Wetter wie es im Buche steht. Der Himmel zeigte sich oft im tristen grau, der Wind blies von West nach Ost, dass man das Gefühl bekam, gleich kippt der Wagen um und in El Chalten hat es zum ersten Weihnachtsfeiertag geschneit, naja es war eher Schneeregen. Auf dem Weg zu dem Ort, der für Fitz Roy und Cerro Torre Besteigungen der Ausgangspunkt ist, hat sich unser erster Reifen verabschiedet. 



Was am Fahrtag noch durch regelmäßiges nachfüttern mit Luft am Leben zu erhalten war, hat sich über Nacht gänzlich verabschiedet. Also hieß es das Rad am ersten Weihnachtsfeiertag bei 0C° und Schneeregen zu tauschen. Natürlich hatte auch kein Reifenflicker vor Ort offen. Am zweiten Weihnachtsfeiertag ging es dann weiter nach Calafate wo Tage zuvor noch die Welt unter zu gehen gedroht hat. Der tags darauf folgende Besuch des Perito Moreno Gletscher war traumhaft schön wie selten zuvor - Wetterumschwug à la Patagonia. Hier gab es dann auch einen Flicken auf den Reifen und es konnte frisch besohlt weitergehen nach Süden.

Im Torres del Paine hielt das Wetter einmal mehr hervorragend durch, dafür aber nicht die Reifen. Nummer Zwei hat der Schotterpiste nicht stand halten wollen. Natürlich war bei den darauf folgenden Aufenthalten in den Städten entweder Wochenende oder Feiertag (Jahreswechsel). Jetzt mussten die verbleibenden Räder definitiv bis zum Ende der Welt durchhalten, was sie auch machten.



Die ersten Tage unserer Pause in Ushuaia waren noch sehr patagonisch (kalt und verregnet) - was nicht weiter tragisch war, gab es doch etwas Büroarbeit zu erledigen bzw. musste sich der geschundene Körper erholen. Ab Mitte der Pause wurde es besser. Wir haben in der Zeit jedes verfügbare Museum der Stadt abgeklappert und uns die Geschichte vom Ende der Welt und den Urvölkern bis ins Detail angeschaut bzw. angehört. Besonders das ehemalige Gefängnis von Ushuaia sollte man sich einmal angeschaut haben. Aber Vorsicht, hier muss man Zeit mitbringen, weil hier dermaßen viel ausgestellt ist, dass es eigentlich an einem Tag nicht zu fassen ist. Die Eintrittskarte gilt für zwei Tage und man tut sich selbst einen großen Gefallen sich lieber an zwei Tagen für je 2-3 Stunden durch die Räume des ausgemusterten Knast durch zu arbeiten.



Auf Empfehlung unserer lokalen Agentur sind wir zusammen mit einem nach Argentinien ausgewanderten Holländer wandern gegangen. Das Ziel des Tages war der Cerro Medio. Die Wanderwege in und um Ushuaia sind wenig populär, weil alles nur in den Nationalpark strömt und keiner Zeit und/oder Lust für andere Wanderungen hat. Aber zu unrecht. Zumindest der Wanderweg auf den Cerro Medio ist trotz fehlender Ausschilderung gut zu folgen (nur den Einstieg muss man finden). Die Aussicht über die Stadt ist spitze und man ist praktisch für sich allein. Im Gegensatz zu den Wanderwegen im Torres del Paine oder im besagten Nationalpark Fin del Mundo , wo man mit einigen Hundertschaften die Pfade teilen muss.

Am folgenden Tag haben wir noch einmal das Traumwetter genutzt und sind mit den Mountainbikes von unserem Campingplatzchef (bei dem die Räder sich nur kaputt stehen ;-) eine Runde gefahren. Dabei haben wir ein paar neue Ecken entdeckt, alt bekannte besucht und einen kleinen 250m „hohen“ Hügel/Berg erklommen, was mangels Training eine Tortur war, der darauf folgende Ausblick vom Schickimicki Hotel aber grandios. 

Alles in Allem waren die Tage in Ushuaia, erholsam und erlebnisreich.



Und dann ging es auch schon wieder in den wärmeren Norden. Das Wetter hat richtig gut mitgespielt. Geregnet hat es ausschließlich an den Fahrtagen, wo nichts anderes als Kilometer schrubben auf dem Programm standen. Mit von der Partie war ein Schweizer Alpengipfelstürmer, der unsere lokalen Bergführer und uns die Grenzen mit seinen fast 70 Jahren aufgezeigt hat. Aber er war der Ansporn uns andere Wege und auch einen neuen Nationalpark anzuschauen. 

Wir haben diesmal den viel größeren und bekannteren Huerquehue Nationalpark um Pucon links liegen lassen und uns stattdessen das Privatreservat Cañi angeschaut. Wir waren kurz vor 8 Uhr die ersten im Park und während der gesamten 1.200m Aufstieg zum Mirador kamen uns nur eine Hand voll Wanderer entgegen, die bereits die Nacht auf dem Campingplatz am Fuße des Berges verbracht haben. Auf dem Weg nach oben gibt es gigantische Südbuchen zu bestaunen und von oben hat man einen majestätischen Blick über die bis zu 3.000 Jahre alten Arakarien, die man sonst nur von unten bewundern kann. Weiterhin schaut man in der Ferne auf die Vulkane Villarica, Lanin und Quetrupillan.



Auf dem Weg von Süd nach Nord haben wir wieder zwei Reifen mit Lochfraß dabei gehabt und ein weiterer ist unrettbar geplatzt. Dann hat ein Stein auf der Schotterpiste in the middle of knowhere das Schauglas vom Dieselfilter geschrottet (Motorstop) und die Luftleitung zur Niveauregulierung hat auch einen Riss abbekommen. Beides war Gott sei Dank in einer Stunde notdürftig geflickt und es ging weiter im Programm. 

Jetzt warten wir in der Werkstatt auf die Fertigstellung unseres kleinen Schwarzen um dann noch einen neuen Satz Reifen zu kaufen. 

Hier noch ein paar Bilder:


oder 

https://goo.gl/photos/CmDKbK62A8upD2hG8



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