Donnerstag, 7. Juli 2016

Death Road & erste Peru Rundreise 2016

Nachdem Patagonien und die Kontinentdurchquerung hinter uns liegen, stand erneut eine Perureise, um genau zu sein 
N°1 von Drei im Lastenheft. 

Wir haben erstmal unseren Dicken in Santiago übernommen und ihn so hergerichtet wie er uns und zukünftig unseren Gästen gefällt. Dann ging es frisch geschniegelt nach La Paz, von wo aus unsere Reise starten sollte. Da wir ganz gut im Rennen lagen haben wir die freie Zeit genutzt um uns mit mit dem Rad die „Ruta de la Muerte", die „Todesstraße" oder auch „Death Road“ hinab zu stürzen. 


Ein Shuttle hat uns und die Zweiräder hinauf auf knapp unter 5.000m gefahren. Dort haben wir geeignete Schutzausrüstung verteilt bekommen und eine Einweisung, was wir beachten müssen um nicht im Abgrund zu landen. 

Die ersten Kilometer ging es noch auf einer Asphaltstraße hinab. welche mit der eigentlichen „Ruta de la Muerte“ nichts zu tun hat. Dennoch musste man mit Bedacht fahren, da hier noch reger LKW Verkehr unterwegs war, was sich auf der späteren Tour aber ändern sollte. 

Auf der eigentlichen Todesstraße angekommen, konnte man sich erstmal von einem Teil der Klamotten befreien. Die Temperaturen waren langsam angenehm warm und so befreit konnten wir den Rest der Schüttelpiste besser genießen als mit der ganzen Schutzausrüstung bekleidet. 



Am Ende des Tages haben wir die Todesstraße ohne Verluste überstanden.

Die erste Peru/Bolivien Reise begann nun in der Höhe. Die Crew ist auf dem höchst gelegenen Zivilflughafen der Welt auf 4.088m gelandet und hat von null auf hundert die Nebenwirkungen der Höhe zu spüren bekommen. Was wir uns langsam erarbeiten konnten, haben unsere sieben Crewmitglieder zum teil schmerzhaft hinnehmen müssen. Der schnelle Sprung in die Höhe kann schon mal Kopfschmerzen zur Folge haben oder den Magen etwas zur Verstimmung bewegen. 

Die kommenden Tage verliefen jedoch ohne große Unannehmlichkeiten, gegen Kopfaua hilft Aspirin und eine Tasse voll Koka-Tee (Suchtgefahr fast ausgeschlossen). 

Die folgenden drei Wochen lief alles wie geplant, der Dicke hat auch in der Höhe keine Zicken gemacht, was auch nicht immer so selbstverständlich ist, denn auch ein deutsches Qualitätsprodukt kann schon mal Höhenkrank werden. 

Wir überspringen mal die Tour und gehen gleich weiter zu unserer Pause, die wir in Huaraz verbracht haben, weil uns Lima, die letzte Stadt unserer Tour nichts zu bieten hatte. 



In Lima wollten wir unseren Dicken in gewohnter Art und Weise im „Club Germania“ einem deutschen Sportclub abstellen und davon düsen. Die wollten uns aber keine 10 Tage aufnehmen und so schien unser Plan von Huaraz erstmal zu zerplatzen. ABER der Zufall hat uns schon so manches mal den Arsch gerettet und beim einparken lief uns eine freundliche deutsche Lehrerin über den Weg, die uns nach Schilderung unseres „kleinen“ Problems in ihre Schule, dem „Colegio Humboldt“ einer deutschen Privatschule einlud und uns dem Verwaltungsleiter (ebenfalls deutscher Herkunft) vorgestellt hat. Der fand eine Lösung und nach Ablauf der 3-Tages-Parkfrist im Club Germania durften wir uns auf dem Parkplatz der Schule niederlassen. Der dicke Amigo stand nun sicher verwahrt und wir konnten frischen Mutes nach Huaraz abdüsen. 

Am Morgen darauf haben wir unsere sieben Sachen zusammengerafft und sind zum nächsten öffentlichen Nahverkehr getappelt um uns Richtung Überlandbus chauffieren zu lassen. Das Busterminal nach Huaraz war „nur“ 12km Luftlinie von unserem Stellplatz entfernt, dennoch wurde diese „Reise“ zu einer Herausforderung. 

Zuerst sind wir zur HighTech S-Bahn Linie N°1 gewackelt, haben die richtige Richtung (piemaldaumen) angepeilt, uns die Bestätigung/Berichtigung einiger Passanten eingeholt und sind eine halbe Stunde später in die völlig überfüllte Bahn eingestiegen. Die haben wir vier Stationen später an einem strategisch sinnvollen Punkt wieder verlassen und uns neu orientiert. Diese Orientierungsphase verlief etwas kompliziert. Wir wurden vom qualifizierten Personal der Transitpolizei von A nach B, von B nach C, von C nach D und wieder zurück nach A verwiesen. Irgendwann wurden wir „nichtswissenden und ahnungslosen“ Tourideppen an die Hand genommen und in eine Bus gesteckt, der so in etwa in die richtige Richtung fuhr. Wir fuhren also in einer fürchterlich klapprigen Kiste durch Gegenden, dir wir normaler Weise NIEMALS durchqueren würden und wurden dann gut eine Stunde später am fucking Arsch der Welt rausgelassen um und ein weiteres Mal ein neues Fortbewegungsmittel zu suchen. Da war tatsächlich schnell gefunden und es ging diesmal weiter in einem kleineren, aber volleren Colectivo, eine Art VW Bus nur mit 20 statt 8 Sitzplätzen (bei gleichen Außenmaßen). Das Teil hat uns am Busbahnhof rausgelassen, welches neben einer Mall (Einkaufszentrum) rausschmiss. Unser Bus nach Huaraz ging erst 23 Uhr und da es erst gegen 15 Uhr war mussten wir notgedrungen unsere kostbare Zeit im Shoppingcenter vertrödeln und unser kostbares Geld in den angebotenen Trödel investieren. 



Die Zeit ging um, das Geld ging flöten und irgendwann (Gott sei Dank) war es Zeit Richtung Bus zu trampeln. Wir haben uns für einen Premium Busanbieter entschieden, da leider Tag für Tag bzw. Nacht für Nacht einer der vielen günstigen Busse entweder unfreiwillig von der Straße abkommen und die Passagieren vorzeitig von uns gegen oder die Passagiere weiter auf dem Planeten verweilen, jedoch ihres Gepäckes durch Überfallbanden erleichtert werden. Deshalb spart man besser nicht am Busticket und reist Sicher mit einem der zahlreichen Upper-Class Anbieter. Wir haben uns einen Platz im zweiten OG gleich hinter der Windschutzscheibe gebucht und so durften wir auch Touri sein und die Fahrt genießen. Leider waren wir vom vielen Geld ausgeben derart geschwächt, dass uns bei Zeiten die Äuglein zufielen. 

Diese gingen im Morgengrauen beim Ankunft in Huaraz auf. Dort sind wir kurz von sieben Uhr in ein Taxi gehüpft, welches uns in ein lokales Hotel mit Schweizer Namen buxiert hat. Von einem Fußmarsch wurde uns abgeraten, Huaraz sei zu gefährlich (huhu-haha).

Nach Duschen und Lage checken haben wir uns einige Aktivitäten für die kommenden Tage gebucht und da der Ankunftstag ein Sonntag war und Sonntag immer was los ist in peruanischen Städten ging es alsbald in die City zum glotzen. Auf dem Plaza war Parade mit einigen Kids der ansässigen Schulen, die Bürgermeister haben zusammen mit einigen Militär Oberfutzis sich das ganze von ihren warmen Plätzen angeschaut, die Eltern waren alle furchtbar stolz und wir hatten irgendwann genug von dem Zirkus. Ein nettes Frühstücksrestaurant musste her. Das gab es tatsächlich im „schönen“ Huaraz. Sein Name „Café Andino“! Lekkaa Frühstück, Kaffee und frische Säfte plus toller Ausblick auf die Weiße Kordillere. 

Am Tag darauf ging es via Shuttle zum Pastoruri. Vorher vorbei und zu den Puyas, eine bis zu 12m hohe Bromelie, die es nur nur in Peru und nur in der Höhe um die 4.000m gibt. Dann hing es weiter hinauf Richtung Gletscher - der ist auf 4.900m. Die letzten Meter ging es dann auf den eigenen zwei Beinen - schnaufend, aber der Höhe trotzend. Noch vor 20-30 Jahren konnte man hier noch Skilaufen - heute ist außer Geröll und einem kläglichen Rest des Gletschers nicht mehr viel übrig geblieben. Wenn es so weiter geht ist der dann auch bald bis zur nächsten Eiszeit Geschichte, aber wir sind es dann wohl auch!



Am zweiten Tag sind wir Richtung Laguna Chungara mit dem Colectivo getuckert. Die liegt auf mickrigen 4.450hm was aber für René an dem Tag nicht drin war. Der alte Schlaffsack hat nach 1 1/2 Stunden wandern auf einmal Bauch-Aha bekommen und es verließen ihn die Kräfte. Also ist Karina alleine hochgedüst. 

Am dritten Tag stand eine längere Wanderung auf dem Plan die zur Lagune 69 führen sollte und weil der dicke Bauch vom René noch Abend zicken gemacht hat, wäre diese fast geplatzt. Aber da die Tour bezahlt war und die Agentur keine Umbuchung vornehmen wollte haben wir die Tour mitgemacht und wir haben es nicht bereut. Zuerst ging es mit dem Shuttle 3 Stunden Richtung Ausgangspunkt auf 3.800m Höhe. Danach 3 Stunden zu Fuß hinauf auf 4.800m bis zur Lagune 69 und zwar gaaanz laaaaaangsaaam. Oben angekommen wurde man mit einem grandiosen Blick über die Lagune belohnt und einem strahlend blauen Himmel. Lustig zu beobachten ist wie heute fotografiert wird. Nix gegen Selfies wenn man zu zweit oder in Gruppe unterwegs ist und man keinen Bock auf Stativaufbau hat oder ein Fotograf am Start ist der die Gruppe ablichtet, aber was sich so seit einigen Jahren abspielt ist schon belustigend. Chicas und Chicos setzen sich dermaßen in Pose, dass man sich aus außenvorstehender nur noch beömmeln kann und muss. Da wird sich positioniert und zurecht gefaltet was das Zeug hält, bezweifeln muss man gaaanz stark ob die sich selbst portraitierten diese Bilder jemals anschauen werden oder jemand anderen interessiert was da irgendwann mal vor der Kamera mal abgegangen. Irgendwie fehlt die bessere Hälfte bzw. noch mehr Menschen, die dem ganzen Leben einhauchen. Wir sind dann zu weit, andere alleine mit einem Selfie only with yourself in der Tasche zurück getrottet und es ging wieder mit dem Shuttle nach Huaraz ins Hotel. Im Restaurant gab es endlich mal einen großen Pisco Sour oder war es ein Maracuya Sour - lekkaa - dazu einen halben Hahn - nochmal lekkaa!



Am Tag vor der Abfahrt war nochmal abmatten angesagt. Ziel des Tages ein Thermalbad nach Empfehlung des Hotel - es soll gaaanz toll sein? Also ab dafür und hinein in ein Colectivo geschlüpft was und in die richtige Richtung bringen sollte, die letzten 2km mit dem Taxicolectivo hinauf zum Eingang des Bades. Dort angekommen noch schnell zwei Handtücher gekauft und am Eingang den Tarif gecheckt - alles „all inclusive“ geordert und rein ins Getümmel. Drinnen dann die Ernüchterung - es hatte sich draußen eigentlich schon angedeutet. Das Thermalbad war extrem peruanisch und noch extremer abgerockt. Wir hatten unter der Auswahl an buchbaren Möglichkeiten unter anderem ein heißes Bad gekauft. Es ging in ein Séparée was derart unromantisch war, das man sich fast schon gruseln konnte. In die „Wanne“ wurde heißes Quellwasser eingelassen und dort konnte man die Zweisamkeit „genießen“. nach 20min war der „Spaß“ vorbei und wir mussten uns erstmal vom Schock erholen, bevor es weiterging im Programm. Wir haben etwas in der mitgebrachten Lektüre geschmökert und die Peruaner angeglotzt, die um uns herum gelungert haben und vor allem was die so machen in dem tollen Thermalbad ;-) Irgendwann haben wir geschnallt was sonst noch geht und unser Eintritts ticket für die Saunahöhle eingelöst. Die Sauna à la Peruano war wirklich ganz gut - und fürs nächste Mal wissen wir auch wie der Hase läuft. Vamos a ver!

Zurück nach Lima ging es wieder via Überlandbus in gewohnter Art und Weise. First Class in der ersten Reihe direkt hinter der Windschutzscheibe, jedoch diesmal Abfahrt gegen Mittag, so dass man auch mal was sieht von der schönen Landschaft und was so abgeht auf der Straße. 

In Lima angekommen haben wir noch eine Nacht auf dem Schulhof genossen und nochmal gestaunt wie modern, gut ausgestattet und schön so eine private Schule in Peru so sein kann - und wie fucking rückschrittlich wir immer so möchtegern fortschrittlich Deutschen Klugscheißer doch sind. 

Die letzten drei Tage vor Ankunft unserer Riesengroßen zwei Mann starken Gruppe haben wir wieder im „Deutschen Sportclub“ verbracht. 

Jetzt noch einige Bilder des erlebten:



Dienstag, 22. März 2016

Halbzeit 2016

Gut 16.500 Kilometer haben wir in den ersten drei Monaten in unserer finalen Saison in Südamerika bereits abgespult. Es ging einmal von Santiago de Chile bis ans Ende der Welt, nach Ushuaia und von da aus zurück ins heiße Santiago, wo wir uns erst einmal einen Kinderpool kaufen mussten, weil es anders nicht auszuhalten war vor Hitze. 



Das rund 1,80m im Durchmesser breite und 40cm hohe (flache) Planschbecken war rasch mit kühlem Nass gefüllt, aber bei fast 35C° im Schatten war es auch ebenso rasch wieder pupswarm. Aber wir wollen ja nicht meckern. In Santiago haben wir unserem Negrito einen Satz neue Schlappen verpasst, denn von den alten Reifen war ja auf den zwei Patagonienreisen kaum einer heil geblieben. 



Frisch besohlt und noch frischer geputzt ging es dann auf unsere erste und einzige Tour: „Unter dem Kreuz des Südens“. Die Reise dauert 4 Wochen und geht gute 5.500km von West nach Ost, von Chile, über Argentinien nach Brasilien. Einiges kannten wir von unseren ersten Reisen, einiges haben wir uns im Sommer bereits ohne Gäste angeschaut und ein kleiner Teil war uns gänzlich unbekannt. Alles in allem lief die Tour rund und stressfreier, wenn auch anstrengender als befürchtet. 



Wie schon auf den Patagonienreisen hat unser kleiner Schwarzer die Tour nicht ganz unbeschadet überstanden. Trotz behutsamen annähern zum San Francisco Pass, wo es von Meeresniveau auf über 4.700m hoch hinauf geht, auf Routen wo kaum ein anderes Fahrzeug langfährt, haben sich auf einen Schlag drei der vier Stoßdämpfer verabschiedet. Der Vierte hat später auch noch den Geist aufgegeben. Für den Mensch ist so eine Höhendifferenz in wenigen Stunden extrem anstrengend aber auch ein Auto hat so seine Mühe damit. 

Da in ganz Argentinien kein Ersatz aufzutreiben war, sind wir nun bis zum Ende der Reise mit den funktionslosen Dämpfern noch weitere zweieinhalbtausend Kilometer bis zum Ziel geschaukelt und gehüpft. Nicht schön, aber doch irgendwie machbar, wenn man sich darauf einstellt und jeden Huckel auf der Straße rechtzeitig erkennt und eine Notbremsung einlegt - was nicht immer gelingt, leider. 




Als wir den zweiten Abend in Cafayate im Restaurant saßen begann es wie aus Eimern zu regnen. In wenigen Minuten stand das Wasser 20 bis 30cm hoch auf der Straße und eine Ende war nicht zu erkennen. Eine ähnliche Situation hatte uns ja bereits im Sommer einige Wochen Werkstattaufendhalt eingebrockt und die Firmenkasse um einige Tausend Euro erleichtert. Aus Schaden wird man bekanntlich klug und man/wir sind was Wasser und die Durchfahrt von Trockentälern während der Regenzeit angeht sehr, sehr vorsichtig geworden. Den Morgen darauf schüttete es immer noch und das Wasser auf den Straßen nahm nicht ab. Niemand konnte uns sagen wie die Straßen nach Norden aussahen und wir beschlossen eine Nacht in Cafayate länger zu bleiben. Erstmal ging es ins Weinmuseum und am Nachmittag hatten wir eine Blindverkostung der anderen Art organisiert. 



Es gab Wein der Bodega Nanni (Die besten Weine aus Cafayate ;-) und Tapas. Die Augen wurden verbunden, es lief Musik und andere Geräusche, wie Vogelgezwitscher und Gewittergegrolle im Hintergrund, dazu wurde passend Wasser in einen Ventilator gesprüht und anderes veranstaltet. Eineinhalbstunden Spaß und Vino satt. Am Abend haben wir noch ein paar Kilo Fleisch auf den Grill gelegt und mit dem Vino trinken weitergemacht.

Im Moment warten wir im heißen Curitiba auf die Ablösung und dann geht es mit dem Flieger nach Santiago, wo der Cruzero auf uns wartet und uns in den kommenden Tagen gute 2.500km nach Norden ins 3.500m hohe La Paz bringen wird. Dort kommt Mitte April unsere nächste Gruppe an.

Hier noch ein paar Bilder der letzten 4 Wochen:



Freitag, 26. Februar 2016

Viva Patagonia

Liebe Blog Gemeinde,

seit gut 10 Wochen sind wir schon wieder in Südamerika unterwegs. Ein Drittel unserer Reisen haben wir in der Zeit schon hinter uns - das ging besonders bei Reise Nummer Zwei extrem schnell vorbei. Zumindest was unser Engagement bei Kondor-Tours angeht hieß es „Auf Wiedersehen!“ sagen an das schöne, wilde und weite Patagonien. 




Gerade sitzen wir in Santiago bei 33C° im Schatten und wünschen uns die gemäßigten Temperaturen im Süden zurück, den frischen Wind, der auch mal mit 80 - 100km ums Eck blasen kann und auch das kühle Nass, welches zeitweilig vom Himmel fällt. Hier im Norden brennt die Sonne unerträglich vom Himmel. 

Auf dem Weg von Nord nach Süd hatten wir noch patagonisches Wetter wie es im Buche steht. Der Himmel zeigte sich oft im tristen grau, der Wind blies von West nach Ost, dass man das Gefühl bekam, gleich kippt der Wagen um und in El Chalten hat es zum ersten Weihnachtsfeiertag geschneit, naja es war eher Schneeregen. Auf dem Weg zu dem Ort, der für Fitz Roy und Cerro Torre Besteigungen der Ausgangspunkt ist, hat sich unser erster Reifen verabschiedet. 



Was am Fahrtag noch durch regelmäßiges nachfüttern mit Luft am Leben zu erhalten war, hat sich über Nacht gänzlich verabschiedet. Also hieß es das Rad am ersten Weihnachtsfeiertag bei 0C° und Schneeregen zu tauschen. Natürlich hatte auch kein Reifenflicker vor Ort offen. Am zweiten Weihnachtsfeiertag ging es dann weiter nach Calafate wo Tage zuvor noch die Welt unter zu gehen gedroht hat. Der tags darauf folgende Besuch des Perito Moreno Gletscher war traumhaft schön wie selten zuvor - Wetterumschwug à la Patagonia. Hier gab es dann auch einen Flicken auf den Reifen und es konnte frisch besohlt weitergehen nach Süden.

Im Torres del Paine hielt das Wetter einmal mehr hervorragend durch, dafür aber nicht die Reifen. Nummer Zwei hat der Schotterpiste nicht stand halten wollen. Natürlich war bei den darauf folgenden Aufenthalten in den Städten entweder Wochenende oder Feiertag (Jahreswechsel). Jetzt mussten die verbleibenden Räder definitiv bis zum Ende der Welt durchhalten, was sie auch machten.



Die ersten Tage unserer Pause in Ushuaia waren noch sehr patagonisch (kalt und verregnet) - was nicht weiter tragisch war, gab es doch etwas Büroarbeit zu erledigen bzw. musste sich der geschundene Körper erholen. Ab Mitte der Pause wurde es besser. Wir haben in der Zeit jedes verfügbare Museum der Stadt abgeklappert und uns die Geschichte vom Ende der Welt und den Urvölkern bis ins Detail angeschaut bzw. angehört. Besonders das ehemalige Gefängnis von Ushuaia sollte man sich einmal angeschaut haben. Aber Vorsicht, hier muss man Zeit mitbringen, weil hier dermaßen viel ausgestellt ist, dass es eigentlich an einem Tag nicht zu fassen ist. Die Eintrittskarte gilt für zwei Tage und man tut sich selbst einen großen Gefallen sich lieber an zwei Tagen für je 2-3 Stunden durch die Räume des ausgemusterten Knast durch zu arbeiten.



Auf Empfehlung unserer lokalen Agentur sind wir zusammen mit einem nach Argentinien ausgewanderten Holländer wandern gegangen. Das Ziel des Tages war der Cerro Medio. Die Wanderwege in und um Ushuaia sind wenig populär, weil alles nur in den Nationalpark strömt und keiner Zeit und/oder Lust für andere Wanderungen hat. Aber zu unrecht. Zumindest der Wanderweg auf den Cerro Medio ist trotz fehlender Ausschilderung gut zu folgen (nur den Einstieg muss man finden). Die Aussicht über die Stadt ist spitze und man ist praktisch für sich allein. Im Gegensatz zu den Wanderwegen im Torres del Paine oder im besagten Nationalpark Fin del Mundo , wo man mit einigen Hundertschaften die Pfade teilen muss.

Am folgenden Tag haben wir noch einmal das Traumwetter genutzt und sind mit den Mountainbikes von unserem Campingplatzchef (bei dem die Räder sich nur kaputt stehen ;-) eine Runde gefahren. Dabei haben wir ein paar neue Ecken entdeckt, alt bekannte besucht und einen kleinen 250m „hohen“ Hügel/Berg erklommen, was mangels Training eine Tortur war, der darauf folgende Ausblick vom Schickimicki Hotel aber grandios. 

Alles in Allem waren die Tage in Ushuaia, erholsam und erlebnisreich.



Und dann ging es auch schon wieder in den wärmeren Norden. Das Wetter hat richtig gut mitgespielt. Geregnet hat es ausschließlich an den Fahrtagen, wo nichts anderes als Kilometer schrubben auf dem Programm standen. Mit von der Partie war ein Schweizer Alpengipfelstürmer, der unsere lokalen Bergführer und uns die Grenzen mit seinen fast 70 Jahren aufgezeigt hat. Aber er war der Ansporn uns andere Wege und auch einen neuen Nationalpark anzuschauen. 

Wir haben diesmal den viel größeren und bekannteren Huerquehue Nationalpark um Pucon links liegen lassen und uns stattdessen das Privatreservat Cañi angeschaut. Wir waren kurz vor 8 Uhr die ersten im Park und während der gesamten 1.200m Aufstieg zum Mirador kamen uns nur eine Hand voll Wanderer entgegen, die bereits die Nacht auf dem Campingplatz am Fuße des Berges verbracht haben. Auf dem Weg nach oben gibt es gigantische Südbuchen zu bestaunen und von oben hat man einen majestätischen Blick über die bis zu 3.000 Jahre alten Arakarien, die man sonst nur von unten bewundern kann. Weiterhin schaut man in der Ferne auf die Vulkane Villarica, Lanin und Quetrupillan.



Auf dem Weg von Süd nach Nord haben wir wieder zwei Reifen mit Lochfraß dabei gehabt und ein weiterer ist unrettbar geplatzt. Dann hat ein Stein auf der Schotterpiste in the middle of knowhere das Schauglas vom Dieselfilter geschrottet (Motorstop) und die Luftleitung zur Niveauregulierung hat auch einen Riss abbekommen. Beides war Gott sei Dank in einer Stunde notdürftig geflickt und es ging weiter im Programm. 

Jetzt warten wir in der Werkstatt auf die Fertigstellung unseres kleinen Schwarzen um dann noch einen neuen Satz Reifen zu kaufen. 

Hier noch ein paar Bilder:


oder 

https://goo.gl/photos/CmDKbK62A8upD2hG8